Wir alle wünschen uns eine harmonische Partnerschaft, doch Tatsache ist:

Beziehungen ohne Konflikte gibt es nicht. Wir Menschen menscheln eben, wir haben mal einen schlechten Tag, wir sind mal genervt, fühlen uns missverstanden oder nicht genug wahrgenommen – die Bandbreite ist riesig.

Konflikte sind also in erster Linie mal normal. Bedauerlicherweise werden sie als etwas Schlechtes gesehen, das es zu vermeiden oder unter den Tisch zu kehren gilt. Statt den Konflikt anzusprechen und eine Lösung zu suchen, macht man mit oder wählt Taktiken, um dem anderen klar zu machen, „mir passt was nicht, du hast dich falsch verhalten“. Es kommt zu:

  • Vorwürfen
  • Verweigerungshaltungen
  • oder subtilen zynischen Bemerkungen.

Gerade Menschen, die sich schon häufig als Verlierer in Konflikten wahrgenommen haben, die immer wieder gehört haben, dass Konflikte nicht sein dürfen, lassen sich viel zu viel gefallen. Oft aus Angst, was passieren könnte, wenn die Beziehung dadurch  angeknackst wird oder der andere sogar geht?

Über Knatsch freut sich niemand, doch wenn etwas nicht stimmig für Dich ist, dann ist es wichtig, es rechtzeitig anzusprechen – ganz konstruktiv. So werden Beziehungen nicht nur stabiler, sondern – ganz wichtig – Sie stellen sicher, das Sie sich in der Partnerschaft wohlfühlen.

Erfahren Sie, wie Sie sich mit 3 Schritten erfolgreich auf Konfliktgespräche vorbereiten können.

Schritt 1: Werden Sie sich klar, was los ist.

Konflikte sind meist sehr emotional, vor allem dann, wenn uns dabei die Knie schlottern. In diesem Zustand bringen wir dann alles durcheinander und wissen gar nicht mehr, was wir eigentlich sagen wollten.

Gerade in solchen Fällen ist es wichtig, dass Sie sich erst mal Gedanken darüber machen, was Ihr eigentliches Anliegen ist. Beschreiben Sie für sich genau die Situation, in der Sie sich schlecht oder angegriffen gefühlt haben und versuchen Sie Ihre Bedürfnisse zu erkennen.

Beantworten Sie dafür schriftlich folgende Fragen:

  • Was ist passiert?
  • Wie hat sich Ihr Partner verhalten?
  • Wie haben Sie sich gefühlt?
  • Was hätten Sie gebraucht?

Nehmen Sie sich dafür genügend Zeit.

Schritt 2: Stellen Sie sich vor dem Gespräch positiv auf den Partner ein.

Es nützt nichts, wenn  wir voller Groll ein Gespräch führen. Das endet meist damit, dass wir ungerecht und voller Vorbehalte sind,  in erster Linie die negativen Eigenschaften sehen und unserem Partner böse Absichten unterstellen.

Nehmen Sie sich daher Zeit, sich vor dem Gespräch auch positiv auf Ihren Partner einzustellen. Stellen Sie sich dazu Ihren Partner in Gedanken vor oder schauen Sie ein Bild von ihm an und beantworten Sie folgende Fragen:

  • Was schätzen Sie an ihm/ihr
  • Wofür lieben Sie ihn/sie?
  • Was macht er/sie gut?

Durch diese Übung merken Sie, dass Ihr Ärger schon um einiges nachlässt und Sie viel gelassener bleiben, wenn Sie an Ihren Partner denken.

Schritt 3: Bringen Sie sich in einen guten Zustand.

Wenn Ihre bisherigen Erfahrungen in Konfliktsituationen sehr unangenehm waren und vielleicht sogar schon eine Beziehung daran zerbrochen ist, dann wirkt sich das natürlich negativ auf Ihr eigenes Stresslevel aus. Wahrscheinlich können Sie dabei zusehen, wie Ihr Herz zu rasen beginnt, wenn Sie vor einem Konfliktgespräch stehen.

  • Atmen Sie einige Male bewusst tief ein und aus. Der Körper folgt dem Atem. Auch wenn Sie noch so aufgewühlt sind, bringt der Atem den Organismus zur Ruhe.
  • Denken Sie daran: Konflikte sind normal und können gelöst werden. Rechtzeitig konstruktiv anzusprechen, was nicht stimmig ist, ist mutig + und ist gut für Ihre Beziehung!
  • Nehmen Sie auch sich und Ihre Bedürfnisse wichtig.

Mit diesen drei Schritten schaffen Sie eine gute Basis dafür, mit mehr Zuversicht in ein Konfliktgespräch zu gehen.

Was ist noch wichtig?

Zum Zeitpunkt: Bitte nicht zwischen Tür und Angel loslegen! Wählen Sie einen Zeitpunkt, bei dem Sie beide wirklich Zeit haben, also nicht gerade von der Arbeit kommen oder gleich noch wohin müssen. Wenn beide entspannt sind, geht es gleich viel leichter mit dem aufeinander zugehen und aufeinander eingehen.

Formulieren Sie Ihre Kritik nach folgendem Schema:
  • Was genau ist geschehen ( ohne Vorwürfe )
    „Du hattest mir versprochen die Kinder immer Donnerstags von der Schule zu holen. Die letzten drei Donnerstage musste ich aber immer wieder für Dich das übernehmen, da Du wichtige Termine hattest. Ich habe meine Arbeitszeiten im Augenblick so eingerichtet, dass ich Donnerstag Mittag nicht nach Hause gehe und dafür an den anderen Tagen früher Schluss machen kann. Damit hätte ich auch mehr Zeit für die Kinder.“
  • Wie haben Sie sich gefühlt
    „Ich war gestern, nachdem das schon das dritte Mal in Folge passiert ist,  darüber ziemlich verärgert, dass Du die Kinder nicht wie vereinbart holen konntest.“
  • Was wünschen Sie sich?
    “ Mir persönlich ist es wichtig, dass ich mich auf unserer Vereinbarungen verlassen kann. Dadurch ist es auch für mich einfacher meine Termine zu planen.“
  • Wie sieht das Ihr Partner?
    “ Wie siehst Du das? Haben sich bei Dir in letzter Zeit Veränderungen ergeben, die es für Dich erschweren Donnerstags die Kinder abzuholen? Was wäre für Dich wichtig, damit auch Du regelmäßig die Kinder von der Schule holen kannst.“

Dies ist ein Beispiel dafür, wie wir unser Gespräch aufbauen und strukturieren können, damit wir unsere Bedürfnisse im Blick haben, gleichzeitig aber auch unserem Partner signalisieren, dass wir auch seine Bedürfnisse ernst nehmen möchten.

Auch hier gilt: Übung macht den Meister. Je öfter Sie mutig Konflikte ansprechen, desto souveräner und selbstbewusster treten Sie auf. Lassen Sie sich nicht sofort entmutigen, wenn nach dem ersten Versuch nicht alles so lief, wie Sie es sich gedacht haben, denken Sie daran: Jede Situation und jeder Mensch ist anders.

Gehen Sie spielerisch mit dem oben gezeigten Schema um. Vergessen Sie dabei auch Ihre Persönlichkeit nicht.

Reflektieren Sie nach einem Gespräch für sich, wie es gelaufen ist. Freuen Sie sich über Ihren Mut, klar zu sagen, was Ihnen nicht behagt! Womit waren Sie zufrieden, was könnten Sie beim nächsten Mal noch besser machen.